Ein Lokal, in dem der Gast Essen aus der Dose gereicht bekommt, mutet erstmal komisch an. Aber jedes Ding hat bekanntlich eine zweite Seite. In Lissabon hat ein ehemals arbeitsloser Architekt aus seinem Lokal Sol e Pesca mit Fisch aus der Dose einen Gourmet-Tempel geschaffen.
Für erfahrene Restaurantfachleute mag es vielleicht bizarr anmuten, Essen aus der Konserve in den Mittelpunkt einer Marketingstrategie zu stellen. In Lissabon wird dies mit Erfolg umgesetzt. Es ist Nostalgie, die in dem Konzept von Henrique Vaz Pato mitschwingt. Früher zählten Fischkonserven zum guten Leben in Portugal. Wer etwas auf sich hielt und dem Genuss zugeneigt war, verspeiste Fisch aus der Dose.
Ein Gastronomie-Konzept findet anklang
Durch die Idee des kreativen 45-Jährigen, der wie viele andere Portugiesen vergeblich nach einer Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt suchte, erlebt die alte Tradition eine Wiedergeburt und wurde zum Lifestyle. Vor 2 Jahren eröffnete er sein Lokal Sol e Pesca in einem ehemaligen Anglergeschäft. Das Gastro-Konzept von Henrique Vaz Pato ist eigentlich ganz schlicht. Doch muss man erst einmal auf die Idee kommen, der Fischkonserve zwei Möglichkeiten abzuringen und sie so zu verpacken, dass dem potenziellen Gast Augen und Mund offen stehen. Wo vormals im Geschäft für Angelbedarf Haken und Blinker in der Auslage angeboten wurden, haben jetzt Dosen in allen Farben und Formen ihren Platz eingenommen. Im heutigen Wirt des außergewöhnlichen Restaurants hat sich augenscheinlich der frühere Architekt ausgetobt. Die Anordnung erinnert an eine aus Bauklötzen zusammengestellte Spielstadt. Kunstvoll aufgereihte Dosen in der Vitrine vermitteln Luxus, die Speisen aus der Fischkonserve sind laut Medienberichten köstlich. Wirklich gute Köche sind die, die aus wenig Vorhandenem ein köstliches Menü zaubern können. Um ein Restaurant zu einem Anziehungspunkt zu machen, gehört aber noch mehr als eine gute Küche.
Die Einrichtung lässt auf die Speisekarte schließen
Die stilvolle Einrichtung eines Lokals ist ein wichtiges Element, um dem Gast etwas Besonderes zu bieten. Das ist ein Meilenstein für die Entwicklung eines Brandings, das dem Restaurant ein Alleinstellungsmerkmal verleiht. Ein Markenzeichen, das Leuchtturmcharakter hat – welcher Gastronom wünscht sich das nicht? Der ehemals arbeitslose Architekt aus Portugal macht vor, wie so etwas funktionieren kann. Er hat sich bei der Inneneinrichtung auf die Alleinstellungsmerkmale seines Lokals konzentriert, Vorhandenes aus dem Anglergeschäft übernommen und es mit stylischen Objektmöbeln ergänzt. So hängen Reusen von der Decke herab, an den Wänden festgeklemmte Angelruten und weiteres Anglerzubehör in den Regalen symbolisieren, dass es sich um ein Fischlokal handelt.
Das Auge isst mit
Mit seinem Restaurant Sol e Pesca, was ins Deutsche übersetzt „Sonne und Angeln“ heißt, spricht der Wirt verschiedene Zielgruppen an. So kann man in dem Lokal nicht nur gut, preiswert und gepflegt essen, sondern auch Fischkonserven mit nachhause nehmen. Damit unterstützt er zusätzlich die regionalen Fischfabriken und sorgt so für Nachhaltigkeit. Die Gäste können aus den mehr als hundert Fischkonserven auswählen und die von Henrique Vaz Pato in seinem Buch „Sol & Pesca“ veröffentlichten Rezepte nachkochen. Aber bekanntlich schmeckt es umso besser, wenn man sich in einem Restaurant verwöhnen lässt, wo nicht nur die Küche gut ist, sondern auch das Ambiente stimmt.