Österreich als Vorbild: so werden Geflüchtete in der Gastronomie ausgebildet

Bereits seit einigen Jahren hat die deutsche Gastronomie mit einem massiven Fachkräftemangel zu kämpfen. Dieser entsteht mitunter aufgrund der langen Arbeitszeiten, einer wenig lukrativen Bezahlung sowie geringer Anerkennung. Zudem strebt die Mehrheit der Jugendlichen ein Studium an, anstatt sich ausbilden zu lassen.

Auch Österreich hatte 2019 einen Mangel von 44.000 Arbeitskräften in Bereichen, wie der Hotellerie und Restaurants. Um diesem entgegenzuwirken, konnten Flüchtlinge auch ohne Lehrabschlussprüfung im Bereich der Gastronomie zu arbeiten beginnen. Das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser vermittelt den Asylwerbern in nur einem Jahr die wichtigsten Inhalte nach den Richtlinien der WKO, um fit für den Job zu sein. Neben der Theorie umfasst die Ausbildung zudem 20 Stunden praktischen Unterricht pro Woche. So profitiert nicht nur das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser von den schnell verfügbaren Arbeitskräften, sondern auch die Flüchtlinge selbst. Denn diese können bereits kurz nach ihrer Ankunft in Österreich, beziehungsweise noch während des laufenden Asylverfahrens einen Job annehmen und erhalten hierfür Zertifikate und Zeugnisse. So haben sie die Möglichkeit, die Zeit während des Asylverfahrens sinnvoll zu nützen und haben es anschließend leichter, ins Berufsleben einzusteigen. Während der einjährigen Ausbildung bekommen die Lehrlinge, neben dem praktischen Unterricht, wichtige Informationen über die europäische Ernährungslehre sowie die Warenkunde. Zudem erlernen sie den Umgang mit Küchengeräten, den hygienischen Umgang mit Lebensmitteln und die Grundsätze der hiesigen Essenskultur. Außerdem sind in der Ausbildung Deutschkurse integriert, in denen die Flüchtlinge aus Syrien, dem Kongo dem Iran oder Senegal ihre Sprachkenntnisse verbessern können.

Finanziell wird das Projekt vom Arbeitsmarktservice Wien, dem Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser sowie dem Fonds Soziales Wien gefördert. Die Flüchtlinge bekommen kein Lehrgeld, zusätzlich zum AMS-Tagegeld, allerdings können sie wichtige Erfahrungen sammeln, erlernen die Sprache im Austausch mit anderen und profitieren von später besseren Jobaussichten. Denn auch, wenn die Asylwerber keine Aufenthaltsberechtigung in Österreich erhalten, können sie mit einer “abgeschlossenen Ausbildung” meist auch in anderen Ländern einen guten Job ergattern.

Die insgesamt 22 Flüchtlinge sind zwischen 19 und 51 Jahren alt und wurden auf 30 Küchen sowie 2 Patisserien aufgeteilt. In diesen sind bereits 770 Personen angestellt und können die Auszubildenden unterstützen einen nachhaltigen Lernerfolg zu verzeichnen sowie eine zielführende Ausbildung zu genießen. Zudem stehen die Fachkräfte den Neuankömmlingen bei Fragen zur Seite und helfen ihnen bei den praktischen Anwendungen. Hierbei handelt es sich um 140 Köche, 10 Konditoren, 525 Küchenhilfen, 65 Auszubildenden sowie 30 Leiter. Die Vermittlung der Flüchtlinge übernehmen Organisationen, wie die Volkshilfe Wien, die Caritas oder die Diakonie Wien.

Am Ende der Ausbildung, und sofern den Flüchtlingen Asyl gewährt wurde, versuchen die Mitarbeiter des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser den Ausgebildeten bestmöglich eine freie Stelle anzubieten. So haben die Ausgebildeten die Möglichkeit, schnell und einfach einen Job zu finden und das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser kann Arbeitskräfte einstellen, welche im eigenen Haus ausgebildet wurden und mit welchen meist bereits viel Vertrauen aufgebaut wurde. Jetzt liegt es an Deutschland die Idee ebenfalls umzusetzen und dem drohenden Arbeitskräftemangel in der Gastronomie entgegenzuwirken sowie Geflüchteten bessere Jobaussichten zu verschaffen.

Bildurheber: maxriesgo / 123RF Standard-Bild

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