Ein Luxus-Restaurant im Frauenknast

Ein interessantes Projekt erregt weltweite Aufmerksamkeit. Im kolumbianischen Cartagena gibt es ein Luxus-Restaurant, das die größten Gegensätze der Gesellschaft zusammenführt. Hier speisen wohlhabende Menschen in den Mauern des örtlichen Frauengefängnisses und lassen sich von den Insassinnen bekochen und bedienen.

Die Stadt Cartagena in Kolumbien zeigt mit einem vielversprechenden Projekt, wie Resozialisierung von Häftlingen gelingen kann. Ein Luxus-Restaurant im Gefängnis führt Verurteilte und Gesellschaft wieder zusammen. Die Häftlinge erhalten eine Ausbildung und damit eine Chance auf ein besseres Leben nach der Haft.

Resozialisierung auf besonderem Wege

Die Häftlinge des Frauengefängnisses in Cartagena haben seit einiger Zeit wieder eine Perspektive. Sie betreiben ein eigenes Restaurant im Gefängnis und haben damit die Gelegenheit, normalen Kontakt mit den Menschen „draußen“ zu pflegen. Sie arbeiten und verdienen damit Geld für ihre Familien. Das Projekt „Interno“ gibt vielen Frauen eine zweite Chance. Wie wichtig diese für sie ist, zeigen die eindrucksvollen Worte „Segundas Oportunidades“ (zweite Chancen), die überall zu sehen sind. Mit jedem Tag Arbeit im Restaurant „Interno“ kommen die Frauen der Freiheit einen kleinen Schritt näher. Dass sie außerdem gutes Geld verdienen und ausgebildet werden, spornt sie zusätzlich zu Höchstleistungen an.

Die Grundlage für das Gelingen dieses außergewöhnlichen Projektes bildet gegenseitiges Vertrauen. Die teilnehmenden Frauen dürfen sich völlig frei bewegen, während sie für das „Interno“ arbeiten. Auch die Gäste werden nicht kontrolliert und auf Waffen oder andere gefährliche Gegenstände untersucht. Dass dieses offene Verhältnis bislang völlig komplikationslos verlief, liegt sicher daran, dass die Frauen ihre großartige Chance in diesem Projekt für sich erkannt haben und diese unbedingt nutzen wollen.

Großer Erfolg – lange Warteliste

Wer in diesem speziellen Restaurant speisen möchte, muss lange im Vorfeld reservieren. Das liegt nicht allein an der außergewöhnlichen Kulisse, sondern vor allem an der hervorragenden Qualität der Gerichte. Die Frauen durften im Rahmen des Projektes von berühmten Chefköchen lernen. Sie beherrschen inzwischen eine breite Palette unterschiedlichster Gerichte der italienischen, kreolischen und peruanischen Küche. Die Gäste dürfen aus verschiedenen Menüs wählen und werden von den Häftlingen zuvorkommend bedient.

Natürlich gibt es immer wieder kurze Momente der Anspannung, wenn die Gespräche auf die Gründe der Inhaftierung der einzelnen Mitarbeiterinnen eingehen. Doch genau dies ist das Wichtige an diesem Projekt – der gegenseitige Austausch und die Möglichkeit, beidseitige Vorurteile abzubauen. Auch international erregt das „Interno“ Aufmerksamkeit. Einige Gefängnisse sind bereits dabei, ähnliche Projekte ins Leben zu rufen.

Bildurheber: kodda / 123RF Standard-Bild

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