Digitale Speisekarten – Potenzial und Gefahren

Einige Restaurants sind inzwischen auf die Technologisierung der Welt aufgesprungen, indem sie ihre Speisekarte durch Tablet-PCs ersetzen. Das bringt in Sachen Originalität und Effizienz durchaus Vorteile, und mit etwas Know-how auch sehr viele weitere Möglichkeiten. Es ist aber Vorsicht geboten, denn nicht für jeden Gastronomiebetrieb machen Neuerungen dieser Art tatsächlich Sinn.

Die Technik begleitet uns durch den ganzen Alltag, warum sollte diese nicht auch Teil eines Restaurant-Besuchs werden? Bis zu einem gewissen Punkt ist das ja bereits geschehen. Online-Bestellungen sind beispielsweise bei einigen Lieferservices gang und gäbe, Kritiken im World Wide Web ersetzen zunehmend die persönliche Empfehlung. Im Wiener Gasthaus „Das 4eck“ wird sogar noch weiter gedacht. Eine „Dining Experience 2.0“ erwartet technikaffine Hungrige hier: ein Tablet-PC als interaktive Speisekarte, mit Fotos und Informationen zu jedem Gericht. Es kann entweder direkt über den Tablet PC bestellt oder via Knopfdruck der Kellner gerufen werden. Ein enormer Vorteil für den Gast ist, dass die einzelnen Zutaten direkt aufgelistet sind. Praktisch sowohl für Allergiker und Vegetarier als auch für allgemein Interessierte.

Wird dann ein Gericht ausgewählt, können auch Zutaten abbestellt bzw. zusätzlich ausgesucht werden. Anschließend macht das Tablet noch Vorschläge und fragt nach Details – Brot zur Suppe? Scharf oder lieber nicht? Die Bestellung wird abgeschickt und landet umgehend in der Küche, ein Kellner wird nicht zwingend benötigt. Ein, wenn auch irgendwie ungewohnter, effizienterer Ablauf.

Inzwischen gibt es einige Restaurants, die auf den effizienten und unterhaltsamen Trend angesprungen sind. Für viele macht dieser auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn. So werden zum Beispiel Probleme in der Personalplanung minimiert. Hier nur ein Beispiel, das jedem Gastronom bekannt sein müsste: Fünf Kellner stehen in den Startlöchern, kein Gast weit und breit. Oder umgekehrt: Die Zahl der anwesenden Servicekräfte kommt der plötzlichen Menge an Kunden nicht nach. Mit der technischen Lösung sind beide Szenarien kein Grund mehr zur Sorge. Wer den Gedanken weiterspinnt, der stößt auf fast unendliche Möglichkeiten. Angefangen von Bewertungen anderer Gäste zu den entsprechenden Gerichten bis zu einem persönlichen Profil, das sich Lieblingsgerichte merkt und darauf aufbauend Empfehlungen ausspricht.

Eine Schwachstelle im Technik-und-Gastronomie-Konzept sehen wir aber dennoch: Das Ambiente leidet. Natürlich ist die Tablet-Bestellung ein Hingucker und sicher ein Erlebnis für den Gast. Jedoch ist die Idee nicht für jedes Konzept passend. Auch darf nicht vergessen werden, dass freundliches und zuvorkommendes Personal einen großen Teil dazu beiträgt, ob ein Kunde wieder kommt. Beispielsweise kann ein Tablet keine offensichtlichen Bedürfnisse erkennen und einer Familie mit Kind einen Hochstuhl anbieten.

Wir empfehlen: Eine spannende Entwicklung ist die Einführung der Technik allemal, sie sollte aber nicht komplett den Service aus Fleisch und Blut ersetzen und nur in Erwägung gezogen werden, wenn sie wirklich zum restlichen Restaurantkonzept passt. Die Neuerung bedeutet auch finanziell eine größere Investition, die nicht immer Sinn macht.

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