Das Gastgewerbe in der Kritik – unbezahlte Überstunden an der Tagesordnung

Vor allem in der Hochsaison arbeiten viele Beschäftigte in der Gastronomie mehr als vertraglich vereinbart. Oft werden diese Überstunden gar nicht bezahlt. Die Arbeitnehmer sollen Buch führen über geleistete Arbeitszeiten, rät die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Überstunden, die unbezahlt bleiben, treten besonders häufig im Gastgewerbe auf. Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zufolge belaufen sich diese nicht gezahlten Beträge auf Milliardenhöhe.

Unbezahlte Überstunden – erschreckende Zahlen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hat interessante und gleichzeitig erschreckende Zahlen zum Thema Überstunden in der Gastronomie errechnet. Dabei kam heraus, dass allein in Niedersachsen im Jahr 2018 110 Millionen Überstunden geleistet wurden, von denen gerade mal die Hälfte vergütet wurde. Rund 1.3 Milliarden Euro hätten die Beschäftigten demnach an ihre Arbeitgeber verschenkt. In einer Branche, in der die Beschäftigten ohnehin zu den Geringverdienern gehören, haben diese Praktiken schlimme Auswirkungen auch auf die spätere Versorgung im Alter.

Mit einem Aufruf will die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten diese Praktiken für die laufende Tourismussaison eindämmen. Die Gewerkschaft fordert eine genaue Dokumentation der geleisteten Arbeitsstunden, um solchen „Geschenken“ an die Arbeitgeber entgegenzuwirken.

Vor allem die Beschäftigung von Minijobbern in der Branche ist ein Problem, das die unbezahlten Überstunden weiter fördert. Diese dürfen zu ihren 450 Euro kein Geld dazuverdienen, weshalb viele von ihnen ihre Überstunden schwarz oder gar nicht bezahlt bekommen. Allein in Hamburg und Bremen sind von 113.000 Stellen in der Hotellerie und Gastronomie 53.000 Stellen mit Minijobbern besetzt.

Der Überstunden-Monitor des Pestel-Instituts zeigt deutlich an, dass es sich um enorme Beträge handelt, die die Beschäftigten Jahr für Jahr verschenken. In Hamburg gibt es demnach 32 Millionen Überstunden, von denen 18,9 Millionen nicht bezahlt werden. Das ergibt eine Summe von 471 Millionen Euro, die verschenkt werden. Mit der Kampagne #fairdient will die Gewerkschaft den Beschäftigten nun Gehör verschaffen.

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